Netzanbindung

Möglichkeiten der Koordinierung und besseren Abstimmung beim Bau der Netzanbindungen

Gemäß dem noch gültigen Energiekonzept der Bundesregierung soll 2030 die Windenergie in der Nord- und Ostsee bis zu 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken (BMU 2011). Diese Ziele werden derzeit im Rahmen der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2.0) angepasst. Von einer Reduzierung des Anteils der Windenergie auf 6,7 Gigawatt bis 2020 und 15 GW bis 2030 ist auszugehen. Trotz der insgesamt kostengünstigeren Erzeugung durch Windkraft an Land, hat der Strom vom Meer mittel- bis langfristig ein großes Potenzial. Mit der gleichen Erzeugungskapazität erbringt die Windenergie Offshore durchschnittlich rund 40 Prozent mehr Stromertrag als an Land (BMU 2011).

Zum Jahresanfang 2014 waren in Deutschland erst 520 Megawatt (MW) Offshore-Windleistung installiert (siehe www.offshore-windenergie.net). Dem steht eine hohe Anzahl genehmigter und in Planung befindlicher Windparks in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) entgegen, die bei Realisierung selbst den ursprünglichen Bedarf von 25 GW bis 2030 deutlich übersteigen würden. Die Gründe für den schleppenden Ausbau waren neben technischen und logistischen Engpässen, widerrechtlichen Planungsbeschlüssen und widrigen Witterungsbedingungen auch die fehlenden Anbindungsleitungen und daraus resultierende Haftungsfragen. Ein grundsätzlich sinnvoller Lösungsansatz für die Priorisierung des Baus und der Inbetriebnahme einzelner Windparks ist die Ausrichtung an einzelnen Offshore-Clustern, die dann eine gemeinsame Leistungsabführung bekommen. In einem aufwendigen Planungsprozess wird seit 2012 festgelegt, welche Windparkcluster wann an das landseitige Stromnetz angeschlossen werden. 2012 beschloss die Bundesregierung zudem Haftungsregelungen, um Rechtsunsicherheit und Investitionshindernisse zu verringern.

Zwei Bundesbehörden entscheiden über den Verlauf der Kabeltrassen: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigt die Windparks, die in sogenannten Clustern gruppiert sind und gibt vor, wie und wann der Windstrom abgeführt werden soll. Der Netzausbau in der AWZ von Nord- und Ostsee wird über den jeweiligen Bundesfachplan Offshore gesteuert. Nach dem Prinzip des kürzesten Weges verlaufen die Trassen auch durch marine Natura 2000-Gebiete und enden an vorfestgelegten Übergangspunkten an der Grenze zum Küstenmeer (12-Seemeilen-Zone). Diese Vorfestlegungen und die mangelhafte Alternativenprüfung in den Verfahren sind zu kritisieren. In einem Workshop des Bundesamtes für Naturschutzes (2013) wurden die Anforderungen an eine umwelt- und naturverträgliche Netzanbindung der Offshore-Windenergieanlagen diskutiert (Vorträge dazu finden Sie hier).

Während für bisherige Genehmigungen im Küstenmeer noch Bundes- und Landesbehörden sowie die Landkreise jeweils eigene Antragsverfahren durchführten, plant und genehmigt gemäß den weitergehenden Festlegungen des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zukünftig die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Netzanbindungen im Küstenmeer. Die Kabelführung durch das Küstenmeer wird in einem Abstufungsprozess entschieden: Zuerst sind die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) verpflichtet einen Offshore-Netzentwicklungsplan (ONEP) zu erstellen, der gemeinsam mit dem (landseitigen) Netzentwicklungsplan (NEP) von der BNetzA bestätigt wird. Dazu wird eine Strategische Umweltprüfung durchgeführt. Anschließend werden in der Bundesfachplanung alternative Trassenkorridore im Bereich zwischen dem Übergangspunkt von der AWZ zum Küstenmeer und dem Standort der Konverterstation an Land geprüft und planfestgestellt. Auf allen Planungsstufen bestehen Beteiligungsmöglichkeiten.

Die unkoordinierten Einzelplanungen von Windparks und Netzanbindungen sowie unzureichende Umwelt- und Naturschutzstandards erschweren bisher ein übergreifendes Konzept. Lösungsansätze für eine naturverträgliche Trassenführung wären die Vereinheitlichung der Planungsgrundlagen für die Raumordnung in der AWZ und den Küstenländern sowie eine standardisierte Alternativenprüfung, wenn die Planungshoheit für die Vorhaben weiterhin zwischen BSH und BNetzA räumlich getrennt ist. Für alle Offshore-Windparks müssen die kumulativen Umweltauswirkungen der vielen noch nicht reduzierten Einzelplanungen erfasst und wirksam begrenzt werden. Die Kenntnislücken zu Auswirkungen auf die Meeres- und Wattfauna durch Offshore-Netzanbindungen müssen geschlossen werden. Dieser Anspruch muss neben technischen Umweltauflagen, wesentlicher Teil eines Standarduntersuchungskonzeptes für alle Meeresbereiche sein. Alternative Gründungsverfahren und schallminimierende Maßnahmen für Offshore-Windanlagen und Konverterplattformen, die in einem Offshore-Schallschutzkonzept der Bundesregierung seit Mai 2013 für alle Vorhaben empfohlen werden, müssen verpflichtend angewendet werden.

Downloads & Quellen

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) & Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (2011): Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung.
BMU 2011 Energiekonzept2,28 MBDownload
Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2011): Lebensraum Wattenmeer.
NABU 2011 LR Wattenmeer2,83 MBDownload
Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) & Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (NLPV) (2012): Kabelverlegungen - Anforderungen des NLWKN und der NLPV an Untersuchungen im niedersächsischen Küstenmeer sowie in Küsten- und Übergangsgewässern. Küstengewässer und Ästuare, Band 5.
NLWKN 2012 Kabelverlegung Kueste344,3 KBDownload
Bundesnetzagentur 2013: Bestätigter Umweltbericht 2013 zum Bundesbedarfsplan, 12/2013.
BNetzA_2013_Umweltbericht_BBpl14,16 MBDownload
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) (2013): Strom vom Meer ins Netz - naturverträgliche Netzanbindung von Offshore-Windkraftanlagen.
NABU_2013_Offshore-Netzanbindung2,03 MBDownload