Bedarf

Erkenntnisgewinn zum Netzausbaubedarf durch Sensitivitäten

Hochspannungsmast, NABU/ E. Neuling

Um den Netzentwicklungsbedarf im deutschen Übertragungsnetz im Rahmen des Netzentwicklungsplans (NEP) möglichst genau abschätzen zu können, sind zahlreiche Eingangsdaten und Festlegungen erforderlich. Ausgangspunkt der Erstellung des Netzentwicklungsplans ist der Szenariorahmen nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Gesetzlich vorgeschrieben ist das Aufzeigen von mindestens drei wahrscheinlichen Entwicklungspfaden der zukünftigen Erzeugungs- und Verbrauchssituationen. Diese sind jährlich zu aktualisieren und die Netzplanungen daran anzupassen. In vielen Stellungnahmen zum Szenariorahmen bzw. zu den Netzentwicklungsplänen wurde gefordert, darüber hinaus auch den Einfluss einzelner Parameter innerhalb wie außerhalb des derzeit gegebenen Ordnungsrahmens auf den Netzausbaubedarf zu untersuchen. Die Betrachtung von Sensitivitäten ermöglicht einen Erkenntnisgewinn über den Einfluss einiger zentraler Eingangsgrößen auf den Entwicklungsbedarf im Übertragungsnetz. Dies kann helfen, neue Erkenntnisse für die gesellschaftliche und politische Debatte über den zukünftigen energiepolitischen Ordnungsrahmen zu gewinnen.

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben im Juli 2013 den Bericht Einflussgrößen auf die Netzentwicklung - Sensitivitä­tenbe­richt 2013 veröffentlicht. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hatte die ÜNB mit der Genehmigung des Szenariorahmens gebeten, die Auswir­kungen von drei Sensitivitäten auf die im Szena­rio B 2023 enthaltenen Maßnahmen zu untersuchen:

  • Nettostrombedarf und Jahreshöchstlast: Im Ergebnis zeichnet sich für die ÜNB bei geringerem Stromverbrauch in erster Linie mehr Export, insbesondere von Kohlestrom, ab. In geringem Umfang ließen sich voraussichtlich auch Leitungskilometer einsparen.
  • Kappung der Erzeugungsspitzen: Die ÜNB wählten eine pauschale, bundeslandscharfe Reduzierung der Wind Onshore-Einspeiseleistung auf 80% der Einspeisespitze. Im Ergebnis wurden einzelne Netzausbaumaßnahmen überflüssig. Die Sensitivität lässt Rückschlüsse auf die Bedeutung des Einspeisemanagements zu. Größere Effekte wären jedoch zu erreichen, wenn die Auslastung des Übertragungsnetzes als Kriterium zur Einspeisereduzierung einfließen würde. Die ÜNB haben dazu an einer Optimierung der Sensitivität unter Berücksichtigung einer dynamischen Begrenzung der Windenergieeinspeisung in Abhängigkeit von eventuellen Netzengpässen gearbeitet. Der Bericht wurde im April 2014 von den ÜNB veröffentlicht.
  • Regionalisierung: Stromerzeugungsanlagen aus Wind, Photovoltaik und Biomasse wurden dezentraler aufgestellt (z. B. mehr Wind im Süden) ohne Auswirkungen auf das Netz aber mit "verminderten Ost-West-Leistungsflüssen". Auch hier sind Verbesserungen bei der Ausgestaltung und Analyse der Sensitivität erforderlich.

Die Erkennt­nisse aus diesen Sensitivitätsrechnungen und der Analyse ihrer Auswir­kungen sollten ge­zielt in die Definition neuer, verfeinerter Sensiti­vitäten einfließen. Die BNetzA hat sich im Juli 2013 gegen einen weiteren gesellschaftlichen Prozess zu den Sensitivitäten entschieden, da bereits genügend Prozesse (Szenariorahmen, NEP, O-NEP) in Gang seien. Den parallelen Diskussionsprozess der Umweltverbände mit den ÜNB und die Vorschläge zu weiteren Sensitivitäten begrüßt die BNetzA. Die Umweltverbände fordern weitere und aussagekräftigere Sensitivitäten, die auch in der Diskussion um die EEG- und Strommarktreformen hilfreich sein könnten. Es müssen schnellstmöglich alle ökonomisch vertretbaren Möglichkeiten zur Beschränkung des Netzausbaus berücksichtigt werden, wie z. B. ein reduzierter Offshore-Ausbau in Anlehnung an die Neuausrichtung der Offshore-Förderung im Koalitionsvertrag vom November 2013 mit einem entsprechend verstärkten Onshore-Ausbau der Windkraft.

Darüber hinaus besteht, sowohl aus Sicht der ÜNB wie auch der Umweltverbände, weiterer Forschungsbedarf. So ist bspw. unklar, in welchem Umfang Lasten verschoben werden müssten, um den Netzbedarf weiter reduzieren zu können.

Downloads & Quellen

Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung (Energiewirtschaftsgesetz - EnWG) vom 7. Juli 2005 (BGBl. I S. 1970, 3621), das zuletzt durch Artikel 3 Absatz 4 des Gesetzes vom 4. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3746) geändert worden ist.
En WG 2013439,68 KBDownload
50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH & TransnetBW GmbH (2013): Einflussgrößen auf die Netzentwicklung. Sensitivitätenbericht 2013 der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund des Genehmigungsdokuments der Bundesnetzagentur - Az.: 6.00.03.04/12-11-30/Szenariorahmen 2012.
Sensitivitaetenbericht_UENB_20131,67 MBDownload
50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH & TransnetBW GmbH (2014): Einflussgrößen auf die Netzentwicklung. Sensitivitätenbericht 2013 der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber zu den Sensitivitäten "Deckelung Offshore" und "Einspeisemanagement" aufgrund des Genehmigungsdokoumentes der Bundesnetzagentur - Az.: 6.00.03.05/13-08-30/Szenariorahmen 2013.
Sensitivitaetenbericht UENB 2014472,35 KBDownload