Vögel

Vögel und Windenergieanlagen: Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen

Um die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf die betroffenen Vogelarten zu vermeiden oder zu mindern, werden bereits verschiedenste Strategien und Maßnahmen in der Praxis angewandt. Der räumlichen Steuerung mit Hilfe der Bauleitplanung (Regional- und Flächennutzungsplanung) kommt dabei immer noch die größte Bedeutung zu. In den einzelnen Bundesländern werden dazu unterschiedliche Ansätze im Hinblick auf die Berücksichtigung von Artenschutzaspekten auf regionaler und kommunaler Ebene verfolgt (siehe Artikel Räumliche Steuerung in den Bundesländern).

Während Hessen bspw. im Rahmen der Regionalplanung den Artenschutz durch die Berücksichtigung von Schwerpunktvorkommen kollisionsgefährdeter Arten (Vögel und Fledermäuse) abschließend behandelt, wird in anderen Bundesländern der Artenschutz im Zuge der Regionalplanung nicht abschließend berücksichtigt und auf die Genehmigungsebene verlagert. Die in Hessen angewandte Vorgehensweise zur Berücksichtigung windenergiesensibler Vogel- und Fledermausarten sind in zwei Gutachten (Vögel:PNL 2012 und Fledermäuse: ITN 2012) erarbeitet worden. Darüber hinaus hat die Planungsregion Südhessen in einem weiteren Gutachten der Planungsgruppe Natur und Umwelt (PGNU 2013) die Berücksichtigung dieser im Rahmen der Ausweisung von Eignungsgebieten dargestellt. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine frühzeitige Berücksichtigung artenschutzrechtlicher Belange und den Ausschluss konfliktreicher Räume.

Im Zuge der Ausweisung von Vorrang-, Eignungsgebieten und Konzentrationszonen für die Windenergienutzung ist zu berücksichtigen, wo sich Lebensräume von windenergiesensiblen Vogelarten und Zugrouten befinden, um diese bei der Ausweisung ausschließen und bestimmte Abstände dazu einhalten zu können. Zu den Mindestabständen zu Brutplätzen kollisionsgefährdeter Arten hat die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten das so genannte Helgoländer Papier (2007) veröffentlicht. Dieses befindet sich in der Überarbeitung, liegt als Entwurf vor, ist aber noch nicht veröffentlicht worden. Die im Artikel Windenergieanlagen - Auswirkungen auf Vögel hinterlegte Liste mit windenergiesensiblen Vogelarten enthält die Abstandswerte zu Brutplätzen und Lebensräumen betroffener Vogelarten und -gruppen nach dem aktuellen Entwurf.

Hindernisse bei der umfassenden Berücksichtigung von Artenschutzbelangen im Rahmen der Bauleitplanung sind fehlende flächendeckenden Daten gleicher Qualität und Aussagekraft zu Vorkommen und Lebensräumen windenergiesensibler Vogelarten. Dies erschwert die Berücksichtigung von Artenschutzbelangen im Zuge der Ausweisung von Windeignungsgebieten. Gleichzeitig ist die Angabe von Vorkommen in Form von großräumigen Rastern auch der Tatsache geschuldet, Brutplätze und Lebensräume vor externen Zugriffen schützen zu wollen.

Im Rahmen der Genehmigungsverfahren auf Projektebene sind die Belange des Natur- und Artenschutzes fachlich angemessen zu berücksichtigen - auch dies stellt einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung und Minderung der Auswirkungen auf windenergiesensible Vogelarten dar. Dazu sind nicht nur Untersuchungsstandards im Rahmen der Voruntersuchungen sondern auch Standards für die Durchführung von Monitorings zu entwickeln. Die Bundesländer haben dazu in unterschiedlichem Umfang Erlasse und Materialien für Behörden und Projektierer von Windenergieprojekten erstellt (siehe Artikel zu Leitfäden, Materialien und Erlasse). Für die Voruntersuchungen wird häufig auf die Arbeit von Südbeck et al. (2005) zurück gegriffen.

Eine weitere wichtige Vermeidungsmaßnahme ist das Habitatmanagement im Umfeld der Windenergieanlagen. Dies ist neben der räumlichen Steuerung im Vorfeld der Planungen so wichtig, da sich mit veränderten Nutzungsstrukturen in der Landschaft auch Brutplätze, Nahrungshabitate und dadurch auch das Raumnutzungsverhalten sowie der Gefährdungsgrad windenergiesensibler Arten ändern können. Zu den dabei gewählten Maßnahmen gehören bspw. das Verbot von Wintergerste-Anbau bei Vorkommen von Wiesenweihen oder die Langgrasbewirtschaftung bei Vorkommen von Rotmilanen.

Downloads & Quellen

Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) (2007): Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten.
LAG_VSW_2007_Abstandsregelungen549,07 KBDownload
Planungsgruppe für Natur und Landschaft (PNL) (2012): Abgrenzung relevanter Räume für windkraftempfindliche Vogelarten in Hessen.
PNL_2012_Avifaunagutachten_Hessen2,08 MBDownload
Institut für Tierökologie und Naturbildung (ITN) (2012): Gutachten zur landesweiten Bewertung des hessischen Planungsraumes im Hinblick auf gegenüber Windenergie empfindliche Fledermausarten.
ITN_2012_Fledermausgutachten_Hessen4,47 MBDownload
Planungsgruppe Natur & Umwelt (PGNU) (2013): Artenschutzrechtliche Bewertung der Suchräume für die Windenergienutzung in der Region Südhessen.
PGNU_2013_Artenschutz_Ausweisung_Windenergie579,51 KBDownload