Planung und Genehmigung

Meeresschutzgebiete und Offshore-Windkraft

Karte des Natura 2000-Netzwerks in der AWZ von Nord- und Ostsee

Deutschland hat etwa 45 Prozent seiner Meeresflächen in Nord- und Ostsee unter den Schutz des Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerks gestellt (NABU 2013). Insgesamt fallen darunter 104 Gebiete nach EU-Vogelschutzrichtlinie und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Die Gebiete orientieren sich entlang der Verbreitungsschwerpunkte geschützter Vogelarten wie zum Beispiel Seetaucher oder Zwergmöwen, der drei heimischen Meeressäuger Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe sowie der Lebensraumtypen Riffe, Sandbänke oder im Küstenmeer Lagunen und Watten. Zehn dieser Schutzgebiete liegen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), der Region zwischen 12 und 200 Seemeilen Abstand zur Küste (siehe Abb. 1). Hier liegt auch der Schwerpunkt für die Ausbaupläne der Offshore-Windkraft in Deutschland.

Die maritime Raumordnung für die Nordsee aus dem Jahr 2009 und die Ostsee aus dem Jahr 2011 hat festgelegt, dass die Natura 2000-Gebiete von den weiteren Planungen der Offshore-Windenergie ausgenommen sind. Dennoch gibt es bereits Genehmigungen, die im Konflikt mit den Schutzzielen des Natura 2000-Netzwerks stehen. Ein Beispiel dafür ist der Offshore-Windpark Butendiek.

Schweinswal, fotalia/ Onkelchen

Der Windpark Butendiek gehörte zu den ersten Projekten, die in der deutschen Nordsee entwickelt wurden. Der Park liegt etwa 40 Kilometer westlich von Sylt, im wichtigsten Lebensraum für Schweinswale in der südlichen Nordsee, dem FFH-Gebiet "Sylter Außenriff". Hier werden im späten Frühjahr die Kälber geboren und verbringen ihre ersten Lebensmonate. Das Gebiet bildet den Kern des deutschen Hauptkonzentrationsgebietes für den Nordseeschweinswal, welches über das Schallschutzkonzept der Bundesregierung Ende 2013 definiert wurde. Aber das Seegebiet ist nicht nur für Schweinswale wichtig. Auch für die seltenen und ebenfalls streng geschützten Stern- und Prachttaucher ist das Gebiet ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet. Sie sind sehr störanfällig, meiden Windparks großräumig und ihnen droht so der Verlust eines großen Teils ihres Lebensraums, mitten im EU-Vogelschutzgebiet "Östliche Deutsche Bucht". Der NABU hat bereits 2002 versucht, das Genehmigungsverfahren zu stoppen, scheiterte aber aus formellen Gründen. Im Februar 2014 bestätigte ein neues Rechtsgutachten (Schumacher et al. 2014), dass die Genehmigung in der vorliegenden Form nie hätte erteilt werden dürfen. Der NABU hat dazu inzwischen Klage gegen das Bundesamt für Naturschutz (BfN) als zuständiger Naturschutzbehörde (Verwaltungsgericht Köln) und gegen das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als zuständiger Genehmigungsbehörde (Verwaltungsgericht Hamburg) eingereicht.

Zugvögel, fotalia/ T. Repenning

Auch in den deutschen Küstengewässern werden vereinzelt Windkraftprojekte entwickelt, zum Beispiel der Park Riffgat bei Borkum im niedersächsischen Wattenmeer, der erst Anfang 2014 an das Netz angeschlossen wurde oder der Park Baltic 1 in der Ostsee, der seit 2011 Strom vom Meer liefert. Grundsätzlich gibt es im Küstenmeer die gleichen Umweltrisiken wie in der AWZ - Schallauswirkungen bedrohen insbesondere Meeressäuger, das Kollisionsrisiko für See- und Zugvögel steigt und zahlreichen Arten geht wichtiger Lebensraum verloren. Die küstennahen Schutzgebiete sind darüber hinaus durch Kabeltrassen berührt, die den Windstrom ans Festland bringen.

Downloads & Quellen

Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2011): Lebensraum Wattenmeer.
NABU 2011 LR Wattenmeer2,83 MBDownload
Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2013): Natura 2000 in Nord- und Ostsee.
NABU 2013 Natura2000 Nord-Ostsee2,5 MBDownload
J. Schumacher, A. Schumacher & H. W. Louis (2014): Die Verwaltungspraxis des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) für Offshore-Windenergieanlagen nach Seeanlagenverordnung.
Schumacher 2014 Offshore-Rechtsgutachten NABU549,24 KBDownload