Waldstandorte

Windenergie im Wald – noch viele offene Fragen?

Windenergie im Wald (Freiburg), fotalia/ S. Schuldis

Der Ausbau der Windenergie an Land hat in den letzten Jahren bundesweit zugenommen. Dabei werden insbesondere in Mittel- und Süddeutschland zunehmend Waldstandorte in Anspruch genommen. Um den Ausbau der Windenergienutzung im Wald naturverträglich zu gestalten, sind die Auswirkungen auf Natur und Landschaft in den Blick zu nehmen und da, wo noch offene Fragen bestehen, zu untersuchen.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahrzehnte bei der Windenergienutzung im Offenland hat man bereits einen immensen Wissenszuwachs zu verzeichnen. Zum Teil wird sich dieses Wissen auch auf Waldstandorte übertragen lassen - jedoch gibt es für diese Standorte auch spezifische Auswirkungen, über die man bis jetzt noch wenig bis gar nichts weiß. Für diese besteht dringend Untersuchungsbedarf.

Dies haben auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) als auch seine Fachbehörde das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erkannt und eine Reihe von Forschungsvorhaben im Jahr 2012 zu einzelnen Fragestellungen auf den Weg gebracht.

Der größte Forschungsbedarf besteht zu den Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald (Bau, Betrieb, Anlage) entsprechender Höhe und Technik auf waldbewohnende und den Wald nutzende Arten sowie deren Lebensräume und -stätten, d. h. auf die biologische Vielfalt im Wald. Dabei ist v. a. die Betroffenheit von Tiergruppen und -arten durch Bau, Betrieb und die Anlagen selber genauer zu bestimmen und vor diesem Hintergrund bundesweit standardisierte Methoden zur Erfassung der Auswirkungen zu entwickeln und zu erproben. Einen Schwerpunkt sollte dabei die Entwicklung von Methoden zur Erfassung von Kollisionen bzw. Kollisionsopfern bei Vögeln und Fledermäusen stehen (siehe Forschungsvorhaben 1 u. 2). Ein weiterer ist die Untersuchung der Störwirkung von Windenergieanlagen auf verschiedene Tierarten, wie sie bspw. zur Balz der Waldschnepfe im Schwarzwald durchgeführt wurde (Dorka et al. 2014).

Offen ist derzeit auch, wie sich durch die Windenergienutzung im Wald die abiotischen Verhältnisse verändern können. Neben der Bestimmung potenziell zu versiegelnder und abzuholzender Flächen (siehe Forschungsvorhaben 3), ist insbesondere zu klären, wie sich die klimatischen Verhältnisse innerhalb eines Waldökosystems aber auch oberhalb der Baumkronen verändern können und welche Konsequenzen dies für das Gesamtökosystem hat.

Neben den lokal vorhandenen Waldarten können auch Flugrouten und Zugwege von Vögeln und Fledermäusen durch die Barrierewirkung von Windenergieanlagen im Wald betroffen sein. Zum Verlauf der Zugrouten sind noch grundlegende Untersuchungen notwendig (siehe Forschungsvorhaben 4). Darüber hinaus muss auch das Ausmaß der Barrierewirkung durch Windenergieanlagen im Wald bestimmt werden.

Forschungsbedarf besteht auch zu den Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald auf das Landschaftsbild. Dazu sind Methoden zur Ermittlung und Bewertung dieser, zu entwickeln. Eng mit dem Landschaftsbild verknüpft sind auch Fragen zur Naturerfahrung, Erholungsvorsorge und der generellen Akzeptanz von Windenergieprojekten im Wald bei der Bevölkerung (siehe Forschungsvorhaben 3).

Neben den direkt mit der Windenergienutzung verknüpften Forschungsfragen, existieren derzeit noch grundsätzlich wenige Kenntnisse zur Ökologie verschiedener Tiergruppen und -arten oberhalb der Baumkronen. Dabei ist insbesondere von Belang, in welchen Höhen sich welche Gruppen und Arten oberhalb der Baumkronen aufhalten und welche Faktoren auf das Verhalten der Tiere Einfluss nehmen können. Dazu wäre Grundlagenforschung notwendig, aus der sich Hinweise zur Minderung der Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald ergeben können. Dazu zählen bspw. Hinweise zur Verbesserung der räumlichen Steuerung und der Technik von Windenergieanlagen.

Sowohl für die räumliche Steuerung durch die Bauleitplanung als auch für die Durchführung der Genehmigungsverfahren und dabei durchzuführender Untersuchungen zu potenziell betroffenen Arten, sind Standards zu entwickeln (Forschungsvorhaben 3). Diese können Ausweisungskriterien für Windenergienutzungsgebiete, Angaben zum Untersuchungsumfang bei der Artenschutzprüfung und Vorgaben für die Durchführung eines bau- und betriebsbezogenen Monitoring betreffen.

Laufende Forschungsvorhaben beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB):

  1. Untersuchung zur Minderung der Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse, insbesondere im Wald
  2. Untersuchung zur Minderung der Auswirkungen von Windkraftanlagen auf den Schreiadler im Wald 
  3. Fachstandards für naturverträgliche Planung und Umweltprüfung von Windenergie im Wald 
  4. Identifizierung von Fledermauswanderrouten und -korridoren 
  5. Bau- und Betriebsmonitoring zu den Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald

 

Downloads & Quellen

U. Dorka, F. Straub & J. Trautner (2014): Windkraft über Wald - kritisch für die Waldschnepfenbalz? In: Naturschutz und LAndschaftsplanung (46) 3: 69-78.