Bau und Schallschutz

Alternative Gründungsverfahren aus Naturschutzsicht

Neue schallarme Gründungstechnologie: Suction Bucket Jacket (Dong energy); Dong energy

Der Ausbau der Windenergie Offshore wird nach den Zielen der Bundesregierung, wenn auch in begrenzterem Umfang, weiter fortgeführt werden. Beim Bau der Fundamente von Offshore-Windenergieanlagen ist, je nach Technologieeinsatz, mit Auswirkungen auf die Meeresumwelt in unterschiedlichem Ausmaß zu rechnen.

Um die Fundamente der Windenergieanlagen im Meer zu verankern, werden neben dem inzwischen etablierten Verfahren des Impulsrammens auch alternative Gründungsverfahren, wie das Einrütteln, das Bohren, Schwergewichtsfundamente, schwimmende Fundamente und Bucketfundamente entwickelt bzw. bereits eingesetzt.

Die mit dem Impulsrammen einhergehenden Lärmemissionen haben erhebliche Auswirkungen auf die Tierwelt, insbesondere auf den Schweinswal, Deutschlands einzigem heimischen Wal in Nord- und Ostsee. Schweinswale sind lokal stark gefährdet und nach nationalem und europäischem Umweltrecht streng geschützt. Sowohl die Offshore-Windindustrie als auch die Naturschutzverbände tragen den vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) festgelegten Grenzwert von 160 dB (SEL) in 750 m Abstand zur Schallquelle inzwischen mit. Dieser stellt allerdings lediglich die Vermeidung von Verletzungen und Hörschäden bei den Meeressäugetieren sicher. Mehrfachbeschallung und auch kumulative Wirkungen, die sich aufgrund weiterer Bautätigkeiten im Umfeld ergeben können, werden aktuell nicht berücksichtigt.

Um den Grenzwert beim Impulsrammen einhalten zu können, wurden Techniken entwickelt, mit denen man die Lärmemissionen und somit auch die Auswirkungen auf den betroffenen Schweinswal mindern kann. Dazu gehören der große und kleine Blasenschleier, der Schallschutzmantel, der Kofferdamm, der Hydroschalldämpfer und die akustische Optimierung des Rammvorgangs. Während der Blasenschleier und Schallschutzmäntel inzwischen in kommerziellen Projekten angewendet werden, ist der Kofferdamm bisher nur in Pilotprojekten angewandt worden (Koschinski & Lüdemann 2013). In allen laufenden Projekten gelingt es jedoch nicht, den Grenzwert auch bei Einsatz von technischem Schallschutz dauerhaft einzuhalten.

Aufgrund dessen fordern die Umweltverbände in einem gemeinsamen Papier zum Lärmschutz bei der Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen, dass technische Schallschutzkonzepte und alternative Gründungsverfahren dringend weiterentwickelt und verbindlich festgesetzt werden müssen (Verbändestellungnahme). Die Verantwortung dafür liegt gleichermaßen bei den Genehmigungsbehörden, der Industrie und der Wissenschaft. Dazu sind einzelne Testanlagen in bestehende Windparks zu integrieren oder die Bereitstellung eines weiteren Testfeldes, ähnlich wie alpha ventus, notwendig.

Die schallintensive Rammtechnik ist mittelfristig durch schallarme Alternativen wie z. B. Bohr-, Fräs- oder Einschwemmtechniken zu ersetzen. Diese müssen dazu in den nächsten Jahren weiterentwickelt und schnellst möglichst angewendet werden.

Downloads & Quellen

Verbändestellungnahme zum Lärmschutz bei der Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen (2011).
Verbaendeposition 2011 Schallschutz279,75 KBDownload
Bundesamt für Naturschutz (BfN) & Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (2013): Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept).
BMU_BfN_2013_Schallschutzkonzept1,19 MBDownload
S. Koschinski & K. Lüdemann (2013): Entwicklung schallmindernder Maßnahmen beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen.
Koschinski 2013 schallmind Massn6,34 MBDownload