Wasserkraft

Wasserkraft aus Sicht des Naturschutzes

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass bis zum Jahr 2015 alle Gewässer in der Europäischen Union einen guten ökologischen Zustand erreichen. Davon ist Deutschland bisher jedoch noch weit entfernt (BMU & UBA 2013: 13). Bisher wurden 27% der geplanten Maßnahmen noch nicht begonnen. In den 10 Flussgebietseinheiten Deutschlands sind noch nicht annähernd 50% der geplanten Schlüsselmaßnahmen, zu denen bspw. die Verbesserung der linearen Durchgängigkeit gehört, abgeschlossen worden.

Wiesenbach mit Flutendem Wasserhahnenfuß (Ranunculus fluitans), NABU/ P. Fink

Fließgewässer leben von ihrer Dynamik. Sie sind geprägt von wechselnden Wasserständen, sich verändernden Strukturen und einem Austausch sowohl in Längs- (flussauf und flussab) wie auch Querrichtung (Ufer/Aue/Grundwasser). Auf diese natürliche Dynamik wirkt sich neben einer Vielzahl anderer menschgemachter Eingriffe auch ein Stauwehr zur Wasserkrafterzeugung vielfältig negativ aus: Wanderungen werden unterbunden, Fische können nicht mehr stromaufwärts wandern, auch stromab wird die Wanderung erschwert, Turbinen werden zu tödlichen Fallen. Die wechselnden Wasserstände werden durch die Stauhaltung nivelliert, an wechselnde Wasserstände angepasste Lebensräume gehen verloren. Im Gewässer transportierte Sedimente werden zurückgehalten, was oberhalb der Barriere dazu führt, dass übermäßig viel, insbesondere auch feinkörniges Material abgelagert wird, wodurch sich die kleinen Räume an der Gewässersohle zusetzen, die als Lebensraum vieler Kleinlebewesen dienen. Unterhalb der Wasserkraftanlage fehlt dann zu transportierendes Material, die Kraft des Gewässers kann in diesem Fall zu einer Erosion und damit Tieferlegung der Gewässersohle führen. Dadurch sinkt der umliegende Grundwasserspiegel und damit zusammenhängende Lebensräume wie Moore, Kleingewässer und Feuchtwiesen fallen trocken.

Das Problem der unterbrochenen Durchgängigkeit kann in der Regel mit Hilfe so genannter "Beipässe" oder "Fischtreppen" gelöst werden. Jedoch müssen die Anlagen von wandernden Fischen auch gefunden und genutzt werden können. Während für den Fischaufstieg inzwischen ein anerkannter und bewährter Stand der Technik genutzt werden kann (DWA 2010), stellt der "Fischabstieg" immer noch ein großes Problem dar. Zu den Problemen beim Fischabstieg und Methoden zur Untersuchung der Fischwanderung geben Dumont et al. (2012) Auskunft. Um zur Laichzeit wandernder Fischarten (z. B. Aale) Verluste zu reduzieren, kann zudem die Kraftwerksleistung gedrosselt werden, indem z. B. der Winkel der Turbinenblätter verändert wird. Für die anderen oben genannten Auswirkungen von Wasserkraftanlagen sind die Lösungsansätze sehr viel komplexer und erfordern umfangreichere Planungen.

Bisher besitzen leider noch viel zu wenige Wasserkraftwerke Auf- und Abstiegsanlagen - hier besteht also immer noch ein großer Handlungsbedarf. Insbesondere bei der kleinen Wasserkraft, also Anlagen an kleinen Fließgewässern mit einer geringen Leistung (unter 1 MW), ist dies auch ein Problem der Finanzierung. Denn bauliche Maßnahmen zur Verringerung der Barrierewirkung kosten natürlich Geld. Da Kleinanlagen jedoch weniger Strom produzieren, reicht der Gewinn in der Regel nicht aus die ökologischen Kosten zu decken.

Downloads & Quellen

Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA 2010): Fischaufstiegsanlagen und fischpassierbare Bauwerke - Gestaltung, Bemessung, Qualitätssicherung M 509 Entwurf, DWA, 978-3-941897-04-5, 285 S.

Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik (EU-Wasserrahmenrichtlinie, EU-WRRL).
EU Wasserrahmenrichtlinie 2000440,81 KBDownload
U. Dumont, P. Anderer & U. Schwevers (2012): Methoden zur Untersuchung der Fischwanderung und der Schädigung von Fischen an Wasserkraftstandorten. UBA-Texte 21/2012.
Methoden Fischwanderung 201212,75 MBDownload
BMU, UBA (2013): Die Wasserrahmenrichtlinie: Eine Zwischenbilanz zur Umsetzung der Maßnahmenprogramme 2012.
BMU UBA 2013 WRRL Zwischenbilanz2,26 MBDownload
Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2014): BfN-Kernforderungen Wasserkraft.
BfN_2014_Wasserkraft_Forderungen56,84 KBDownload