Fledermäuse

Fledermäuse und Windenergieanlagen: Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen

Fledermäuse sind von der Windenergienutzung in vielerlei Hinsicht betroffen. Im Rahmen der Bautätigkeit und Errichtung von Anlagen können Quartiere beeinträchtigt und zerstört werden. Während des Anlagenbetriebs besteht die Gefahr, dass Fledermäuse mit den Rotorblättern kollidieren oder durch ein Barotrauma zu Schaden kommen.

Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), M. Nolf

Um diese Auswirkungen zu vermeiden oder zu verringern, bestehen drei Ansatzpunkte:

  • eine gute Standortwahl, mit Ausschluss konfliktreicher Gebiete,
  • die Durchführung eines Monitorings nach Errichtung der Anlagen und
  • die zeitweise Abschaltung von Anlagen.

Einer guten Standortwahl kommt die größte Bedeutung zu, wenn es darum geht Beeinträchtigungen von Lebensräumen und die Kollisionsgefahr von Fledermäusen so gering wie möglich zu halten. Dazu sind Verbreitungsgebiete windenergiesensibler und streng geschützter Fledermausarten, zu denen der große und kleine Abendsegler sowie die Pipistrellus-Arten gehören (siehe Liste der brandenburgischen Vogelschutzwarte), von der Windenergienutzung auszuschließen.

In den meisten Bundesländern werden derzeit in den Nebenbestimmungen von Genehmigungen für den Bau von Windenergieanlagen Monitoringauflagen (in der Regel 2 Jahre) und pauschale Abschaltzeiten zur Vermeidung und Minderung von Kollisionen festgelegt (siehe z. B. OVG Berlin-Brandenburg 11 S 72.10, vom 12. 03.2012). Pauschale Abschaltzeiten haben den Nachteil, dass sie standortunabhängig und mit größeren ökonomischen Einbußen für den Anlagenbetreiber verbunden sind. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Projektes "Entwicklung von Methoden zur Untersuchung der Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen (2007-2009)" wurden deshalb so genannte Abschaltalgorithmen entwickelt. Diese sind anlagenspezifisch und berücksichtigen neben der Windgeschwindigkeit auch den Monat, die Nachtzeit, die Temperatur und die Witterung (Brinkmann et al. 2011).

Damit soll ein "fledermausfreundlicher Betrieb" erreicht werden, der ein Maximum der Belange des Artenschutzes abdeckt und dabei gleichzeitig zu einer minimalen Beeinträchtigung des Betriebs der Anlagen führen soll. Offen bleibt dabei die Frage, wie hoch die artspezifische Kollisionsrate pro Jahr und Anlage sein darf, ohne, dass sich dies auf den Erhaltungszustand der lokalen/regionalen Population auswirkt.

Für das Land Brandenburg wurden mit dem Erlass des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUVG) vom 01. Januar 2011 Schwellenwerte für den Abendsegler und die Rauhhautfledermaus (1,0 Individuen/Jahr/Anlage) sowie für die Zwergfledermaus (2,0 Individuen/Jahr/Anlage) festgelegt (Anlage 3). Diese gelten als Grundlage, um bei einer anzunehmenden Überschreitung der Schwellenwerte, die Abschaltzeiten für die zu genehmigende Anlage festzulegen.

Downloads & Quellen

R. Brinkmann, O. Behr, I. Niermann and M. Reich (2011): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen (Langfassung). Cuvillier Verlag.

Erlass des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUVG) vom 01. Januar 2011 (Anlage 3): Handlungsempfehlung zum Umgang mit Fledermäusen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Brandenburg.
tak anl3 BB 201060,13 KBDownload
R. Brinkmann, I. Niermann, O. Behr, J. Mages & M. Reich (2011): Kurzfassung des Forschungsvorhabens "Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen".
Brinkmann_2011_Kurzf_Kollisionsrisiko_FM4,43 MBDownload
Urteil des OVG Berlin-Brandenburg 11 S 72.10, vom 12. 03.2012.
OVG Berlin BB 2012-03-15124 KBDownload