Planung und Genehmigung

Kriterien für naturverträgliche Solarparks

Montage von Solarmodulen eines Solarparks, fotalia/ G. Seybert

Jahrelang wurde in der Solarbranche um den Titel der weltgrößten Photovoltaikanlage gekämpft und immer größere Freiflächen mit Solarparks verbaut, gerade auch in ökologisch hochwertigen Konversionsgebieten. Dadurch ergeben sich zum Teil massive Spitzen bei der Stromeinspeisung in verbrauchsarmen Regionen. Die Photovoltaik sollte daher künftig in die neuen Möglichkeiten zur bedarfsgerechten Direktvermarktung von Ökostrom einbezogen werden. Im Vergleich zu den vielen kleinen und aufwändiger zu installierenden Dach- oder Fassadenanlagen zeichnen sich Solarparks bereits heute durch ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau aus. Daher lässt sich nun die technische und wirtschaftliche Einbindung von Freiflächenanlagen in Form von „virtuellen“ Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energien realisieren.

Eine räumliche Steuerung der Standorte für Solarparks muss durch Ausweisung von Eignungsflächen im Rahmen der Regional- und Bauleitplanung einschließlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen. Dabei sollten Natura 2000-Gebiete und Naturschutzgebiete sowie Kern- und Pflegezonen von Nationalparken und Biosphärenreservaten grundsätzlich tabu sein. Um die Anlagendimensionen und den im Vergleich zu Anlagen auf Gebäuden zusätzlichen Flächenverbrauch am Standort des Solarkraftwerkes zu begrenzen, ist eine Staffelung der Vergütung nach installierter Leistung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und eine Deckelung z. B. bei 10 Megawatt (MW) elektrischer Leistung notwendig. Eine Vergütungsregelung sollte Photovoltaikanlagen auf Freiflächen gegenüber Gebäudeanlagen nur dann ermöglichen, wenn nach der Errichtung der Anlage der ökologische Zustand nachweislich und wesentlich gegenüber dem vorherigen Zustand verbessert worden ist. Die Höhe der Vergütung muss aber auch die Finanzierung von naturschutzfachlichen Begleitmaßnahmen auf den über 20 Jahre in Beschlag genommenen Solarparkflächen absichern.

Bereits im Jahr 2005 verständigten sich die Unternehmensvereinigung (heute Bundesverband) Solarwirtschaft (UVS bzw. heute BSW als Nachfolgeorganisation) und der NABU auf einen Kriterienkatalog für die naturverträgliche Errichtung solcher Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Interessenvertreter von Naturschutz und der Solarbranche demonstrierten damit einvernehmlich, dass die Nutzung von Photovoltaik auch auf Freiflächen ökologisch verträglich erfolgen kann, wenn bestimmte Mindeststandards eingehalten werden. Mit der Herausgabe des Kriterienkataloges war der gemeinsame Appell an Projektierer und Betreiber verbunden, die Anforderungen zukünftig bei der Standortwahl und dem Betrieb von Solarparks zu berücksichtigen. Mittlerweile haben sich die NABU-Kriterien in der Praxis vielfach bewährt und sogar Eingang in die Investitionsprogramme der KfW-Förderbank gefunden.

Der Kriterienkatalog umfasst rund 20 Empfehlungen für Standortwahl, Ausgestaltung und Betrieb von Solarparks, die insbesondere den Erhalt und die Verbesserung der biologischen Vielfalt auf der Anlagenfläche und in deren Umgebung dienen.

Downloads & Quellen

Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) (2012): Kriterien für naturverträgliche Solarparks.
NABU_2012_Solarpark_Kriterien51,98 KBDownload