Bau und Schallschutz

Weniger Lärm auf See

Seit Jahren warnen Wissenschaftler und Naturschützer vor den negativen Auswirkungen von Unterwasserschall beim Bau von Windenergieanlagen im Meer. Beim Einsatz der großen hydraulischen Rammen zur Verankerung der Fundamente können lärmempfindliche Meerestiere, wie der in Nord- und Ostsee heimische Schweinswal, verletzt oder gar getötet werden.

Beim Verfahren der Impulsrammung (Pile-Driving) kommt es zu einem intensiven Energieeintrag ins Meer. Während die Wärmeabgabe auf die nähere Umgebung beschränkt bleibt, können Unterwasserschall und Bodenpartikelbewegung über viele Kilometer hinweg Wirkungen auf Organismen haben. Die Schallauswirkungen können bei Tieren von Vertreibung, Meideverhalten, Störung der Kommunikation (Maskierung) bis zu körperlichen Verletzungen und Tod reichen.

Beobachtungen im Testfeld „Alpha Ventus“ 2009 zeigten, dass während der ungedämpften Rammarbeiten alle Schweinswale aus einem Radius von bis zu 20 Kilometer um die Baustelle vertrieben wurden. Diese Beobachtung deckt sich mit Untersuchungen in anderen Ländern. Insbesondere in sensiblen Gebieten und in der Zeit der Paarung und Jungenaufzucht (Mai-August) sind durch Vertreibung und Störung negative Folgen für einzelne Individuen, aber auch auf Populationsebene nicht auszuschließen.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat einen Lärmschutzwert festgelegt, der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in den Verfahren als verbindlich berücksichtigt wird. Außerhalb von 750 m um die Rammstelle darf ein Schallereignispegel (SEL) von 160 dB re1µPa und ein Spitzenschalldruckpegel von 190 dB re1µPa nicht überschritten werden. Dieser Lärmschutzwert beruht auf Untersuchungen der Wirkung eines einzelnen Schallimpulses auf das Gehör von Schweinswalen. Bei 164 dB re1µPa SEL wurde eine zeitweise Verschiebung der Hörschwelle (TTS) bei Schweinswalen festgestellt. Diese Schwerhörigkeit kann für eine Tierart, die vollständig auf ein funktionierendes Gehör angewiesen ist, fatale Folgen haben.

Die Umweltverbände BUND, DNR, DUH, Greenpeace, IFAW, NABU, WWF und WDCS haben deshalb bereits im Herbst 2011 ein gemeinsames Positionspapier verfasst, das Politik und Industrie in Deutschland Wege aufzeigt, um den Ausbau der Offshore-Windkraft mit dem deutschen und europäischen Arten- und Naturschutzrecht in Einklang zu bringen. Kernelemente der von den Verbänden formulierten Forderungen sind der verbindliche Einsatz von technischen Schallschutzkonzepten, die schnellstmögliche Entwicklung alternativer schallarmer Gründungsverfahren und eine stärkere Berücksichtigung kumulativer Effekte.

Mit dem Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept) ist es gelungen, zumindest für die ab dem 1. Dezember 2013 genehmigten Windparks, dieses als Grundlage für die Beurteilung der ökologischen Auswirkungen im Bereich Unterwasserschall bei der Errichtung von Offshore-Windparks festzusetzen. Das Konzept wurde mit Vertretern der Offshore-Windkraft und den Naturschutzverbänden sowie den Küstenländern diskutiert und auf Grundlage der eingegangenen Kommentare zum heutigen Stand weiterentwickelt.

Downloads & Quellen

Bundesamt für Naturschutz (BfN) & Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (2013): Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept).
BMU_BfN_2013_Schallschutzkonzept1,19 MBDownload
Verbändestellungnahme zum Lärmschutz bei der Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen (2011).
Verbaendeposition 2011 Schallschutz279,75 KBDownload