Waldstandorte

Windenergie im Wald

Für die Stromerzeugung in Deutschland spielt bereits heute und auch in Zukunft die Nutzung der Windkraft neben der Photovoltaik eine wichtige Rolle. Nachdem Windenergieanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen seit langem etabliert sind und erste Windparks auf dem Meer erprobt werden, kommt nun auch dem Wald als möglichem Standort eine wachsende Bedeutung zu. In einigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Hessen oder Baden-Württemberg ist der Waldanteil mit gut 40 Prozent an der Landesfläche vergleichsweise hoch. Vor allem die Höhenzüge der Mittelgebirgslagen weisen oft höhere Windgeschwindigkeiten auf, sind jedoch aufgrund der historischen Nutzung der Landschaft fast immer bewaldet und werden nun wegen des größeren Abstands zu Wohngebieten als neue Standorte zur Nutzung der Windkraft in den Blick genommen.

Aufbau eines Windrads im Wald, fotalia/ M. Buehner

Jedoch treten mit der Windenergienutzung eine Vielzahl an Konflikten auf, die sich nicht vermeiden lassen: Der Wald ist als naturnahes Ökosystem nicht nur Heimat einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten sondern für viele Menschen auch der Inbegriff für eine ursprüngliche Natur, der als Ort der Erholung oder für sportliche Aktivitäten aufgesucht wird. Stehen die Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 200 Metern auf den exponierten Lagen der Höhenzüge, sind sie weit sichtbar und verändern somit das Landschaftsbild massiv. Angesichts der notwendigen Baumfällungen, Zuwegungen und Netzanbindung sowie aufgrund des Kollisionsrisikos für waldbewohnende und den Wald nutzende Vogel- und Fledermausarten an den Windenergieanlagen, ist davon aus zugehen, dass sich Waldstandorte für die Windenergienutzung in vielen Fällen nicht rechtfertigen lassen. Dies gilt insbesondere dann, wenn ausreichend Flächen im Offenland für Windkraft naturverträglicher genutzt werden können. In waldreichen Regionen lässt sich die Windkraft im Wald aber nicht kategorisch ausschließen, wenn die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden soll.

Wichtig ist, dass ökologisch wertvolle Lebensräume dabei erhalten bleiben und der Einfluss z. B. auf Brut- und Zugvögel, Fledermäuse und die Landschaft so gering wie möglich gehalten wird. Deshalb sollten alle Vorranggebiete für den Naturschutz im Regelfall von der Windenergienutzung freigehalten werden, insbesondere die Schutzgebiete des Natura 2000-Netzwerkes. Im Wald sollten darüber hinaus folgende Flächen von der Windkraftnutzung ausgeschlossen werden:

  • Naturschutzgebiete, Naturdenkmale, Nationalparke, Kernzonen der Naturparks und der Biosphärenreservate, gesetzlich geschützte Biotope und Naturwaldreservate,
  • Naturnahe Waldbestände mit zahlreichen Baumindividuen über 120 Jahren, naturnahe, mehrstufig aufgebaute Laubwälder mit plenterartigen Strukturen,
  • Landesweit bedeutende Zugkorridore von Vögeln und Fledermäusen,
  • Bedeutende Lebens-, Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten von streng geschützten, potenziell durch die Errichtung oder den Betrieb von Windenergieanlagen gefährdeten Vogel- und Fledermausarten und
  • die für das Naturerleben weitgehend ungestörten Landschaften und wertvollsten Gebiete.

Das Bundesamt für Naturschutz hat in einem Positionspapier die wichtigsten naturschutzfachlichen Fragen zur Windenergienutzung im Wald zusammengefasst, aber vor allem auch offene Fragen für Forschung und Monitoring formuliert. Das Land Nordrhein-Westfalen hat einen eigenen Planungsleitfaden mit Hinweisen zur Realisierung von Windkraftstandorten im Wald veröffentlicht.

Downloads & Quellen

Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2011):Windkraft über Wald - Positionspapier.
BfN_2011_Windenergie_Wald_Position72,52 KBDownload
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalens (MKULNV) (2012): Leitfaden Rahmenbedingungen für Windenergieanlagen auf Waldflächen in Nordrhein-Westfalen.
MKULNV_2012_Leitfaden_Wind_Wald_NW1,26 MBDownload