Fledermäuse

Wie wirken sich Windenergieanlagen auf Fledermäuse aus - welche Arten und Lebensräume sind besonders betroffen?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Windenergienutzung viele Fledermausarten einer starken Gefährdung aussetzt. Neueste Studien bekräftigen die Annahme, dass Kollisionen mit Rotorblättern und Barotraumata keine Seltenheit sind. Die Methoden zur Bestimmung von Kollisionsereignissen bzw. der Kollisionsgefahr für Fledermäuse und Vögel wurden in den letzten Jahren weiter verbessert (Korner-Nievergelt et al. 2013).

Besonders die Wahl geeigneter Standorte als auch die Betriebszeiten sind Ansatzpunkte, die die Gefährdungen für Fledermäuse mindern können (siehe Artikel Vermeidung- und Minderungsmaßnahmen). Zur Gewährleistung der Planungssicherheit beim weiteren Ausbau der Windenergienutzung an Land und der Berücksichtigung des Artenschutzes sind bundesweit einheitliche Lösungsansätze notwendig - insbesondere, um der Bundesstrategie zur biologischen Vielfalt im gleichen Maße gerecht zu werden, wie der naturverträglichen Umsetzung der Energiewende.

Neueste Studien (Brinkmann et al. 2011) zeigen deutliche Unterschiede im Gefährdungsgrad der verschiedenen Arten. So verzeichnet die Rauhhautfledermaus die höchste Mortalitätsrate (siehe Totfundkartei auf der Internetseite der Brandenburgischen Vogelschutzwarte). Der Große Abendsegler ist in seiner Gefährdung nahezu vergleichbar. An dritter Stelle steht die Zwergfledermaus gefolgt vom Kleinen Abendsegler. Neben diesen hauptsächlich betroffenen Arten wurden weiter absteigend die Breitflügelfledermaus, die Zweifarbfledermaus und das Braune Langohr als gefährdete Fledermausarten identifiziert. Die Betroffenheit der Arten variiert je nach Natur- und Lebensraum - dies muss ebenso wie die standortabhängige Auswahl der Anlagentechnik bei der Projektierung berücksichtigt werden.

Zu den konfliktreicheren Gebieten hinsichtlich der Errichtung und des Betriebs von Windenergieanlagen zählen besonders waldreiche Standorte und Wälder, da Jagdhabitate aber auch Tagesquartiere vieler Fledermausarten an Gehölzstrukturen gebunden sind. So sind Rauhhautfledermaus und Großer Abendsegler auf Baumhöhlen als Tages- und Winterquartiere angewiesen. Die Zwergfledermaus nutzt Baumspalten als Tagesquartiere. Der Kleine Abendsegler ist ebenfalls eine typische Waldfledermaus und besiedelt Baumhöhlen sowie Spalten und Risse. Wälder, und hier insbesondere solche mit einem hohen Anteil älterer Bäume, sind für die hochgefährdeten Fledermausarten von besonders großer Bedeutung. Dabei kann es sich sowohl um Laub- als auch um Nadelwälder handeln.

Die Inbetriebnahme von Windkraftanlagen auf einem Waldstandort ist vor diesem Hintergrund möglichst zu vermeiden. Der letale Einflussradius beträgt dabei im Durchschnitt 50 Meter (Niermann et al. 2011a). Doch nicht nur der Betrieb, auch die Flächennutzung innerhalb von Waldgebieten ist kritisch zu bewerten, da mit einer Anlage ein Stück Waldfläche und damit potenzieller Lebensraum verloren geht. Dies betrifft dann zusätzlich weitere waldbewohnende Fledermausarten, die in der Gefährdungsstatistik bisher nicht oder nur am Rand auftauchen. Da Windenergieanlagen im Wald bis jetzt nur in wenigen Bundesländern verbreitet sind und zudem das Auffinden von Schlagopfern nur eingeschränkt möglich ist, ist die Einschätzung der Kollisionsgefahr zu einzelnen Fledermausarten im Wald bisher kaum möglich.

Niermann et al. (2011b) zeigen, dass die Abstandsvorgaben der Windenergieanlagen zu ökologisch bedeutsamen Strukturen wie Wäldern, Gewässern, Siedlungen oder Fledermausquartieren entgegen bisheriger Annahmen, keine so große Rolle spielen. Die Fledermausaktivität im Umfeld der Anlagen wird demnach vorrangig durch den Naturraum und Witterungseinflüsse wie Wind, Temperatur und Niederschlag bestimmt. Dennoch sind die Abstandsvorgaben zu wichtigen Strukturen weiter zu erforschen, da einer potenziellen Gefährdung von Wochenstuben präventiv entgegengewirkt werden muss.

Downloads & Quellen

I. Niermann, R. Brinkmann, F. Korner-Nievergelt & O. Behr (2011a): Systematische Schlagopfersuche - Methodische Rahmenbedingungen, statistische Analyseverfahren und Ergebnisse. In: R. Brinkmann, O. Behr, I. Niermann, M. Reich (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen Göttingen: Cuvillier Verlag. 40-115.

I. Niermann, S. von Felten, F. Korner-Nievergelt, R. Brinkmann, O. Behr & S. v. Felten (2011b): Einfluss von Anlagen- und Landschaftsvariablen auf die Aktivität von Fledermäusen an Windenergieanlagen. In: R. Brinkmann, O. Behr, I. Niermann, M. Reich (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen Göttingen: Cuvillier Verlag. 384-405.

R. Brinkmann, I. Niermann, O. Behr, J. Mages & M. Reich (2011): Kurzfassung des Forschungsvorhabens "Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen".
Brinkmann_2011_Kurzf_Kollisionsrisiko_FM4,43 MBDownload