Vögel

Windenergieanlagen - Auswirkungen auf Vögel

Windenergieanlagen haben Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Dabei sind die Auswirkungen auf Vögel (Avifauna) und deren Lebensräume neben denen auf andere Arten, wie z. B. Fledermäuse, besonders hervorzuheben. Neben dem Kollisionsrisiko an den Rotoren und Masten der Windenergieanlagen ist darüber hinaus die von der Bewegung der Rotoren verursachte Scheuchwirkung zu nennen, die zu einem Meideverhalten bei einigen Vogelarten führen kann. In der hier eingestellten Übersicht sind die Vogelarten Deutschlands, die besonders kollisionsgefährdet sind und Arten die aufgrund ihrer Störungsempfindlichkeit von der Windenergienutzung besonders betroffen sind, aufgeführt.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht in jedem Bundesland Vogelarten in gleichem Maße verbreitet sind und deshalb auch in unterschiedlichem Maße bei der Planung und Genehmigung Berücksichtigung finden müssen. Während die verschiedenen Greifvogelarten deutschlandweit gefährdet sind, da v. a. Altvögel durch Kollisionen ums Leben kommen, ist das Auerhuhn mit seinem Vorkommen im Schwarzwald nur für Baden-Württemberg relevant und wird dort umfassend berücksichtigt (siehe Vortrag Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg).

Mit dem zunehmenden Ausbau der Windenergienutzung in Europa ist auch mit kumulativen Auswirkungen auf Vögel zu rechnen. Diese Effekte ergeben sich im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der Windenergienutzung und anderen räumlichen Nutzungen, wie z. B. Verkehrsinfrastruktur, und sind zu berücksichtigen (RSPB & Birdlife International 2013). In welchem Ausmaß einzelne Vogelarten und deren Populationen betroffen sein können, ist derzeit noch weitgehend unklar. Genaue Untersuchungen dazu existieren bis jetzt nur für den Rotmilan in Brandenburg (siehe Artikel zum Rotmilan). In einem weiteren BMUB-geförderten Projekt PROGRESS (Ermittlung der Kollisionsraten von (greif-) Vögeln und Schaffung planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen) werden auf Basis der ermittelten Kollisionsraten Populationsmodellierungen durchgeführt. Die Ergebnisse dazu sind noch nicht veröffentlicht.

Die Vogelschutzwarte Brandenburg sammelt bereits seit 2002 bundesweit Nachweise von Vögeln als Kollisionsopfer von Windkraftanlagen. Dabei handelt es sich nicht um systematisch ermittelte und erfasste Kollisionsopferzahlen, sondern um Zufallsfunde, die zentral mit Datum, Fundort, Alter und Vogelart erfasst werden. Aufgrund dessen kann die Kollisionsopferdatei Hinweise geben, welche Vogelarten in welchen Bundesländern besonders kollisionsgefährdet sind. Die jeweils aktuellen Dateien können auf der Internetseite der Brandenburgischen Vogelschutzwarte heruntergeladen werden.

Kollisionsgefährdet sind insbesondere Greifvogelarten, wie z. B. der Rotmilan, der Mäusebussard und der Seeadler, die ein geringes Meideverhalten gegenüber Windkraftanlagen zeigen. Andere Vogelarten meiden Windkraftanlagen jedoch großräumig, wodurch ihnen unter Umständen anderweitig gut geeigneter Lebensraum für Brut und Rast verloren geht. Typische Vertreter dieser Gruppe sind Kranich, Wildgänse und Watvogelarten, wie Kiebitz oder Goldregenpfeifer. Hinzu kommen Störungen durch den Bau der Anlagen sowie deren Wartung und Betrieb, die zu einer Veränderung des Lebensraums und erheblichen Störungen führen können. So haben sich aufgrund der Windenergienutzung, der daraus resultierenden geringeren Landnutzungsintensität veränderte Räuber-Beute-Beziehungen etabliert, die zur Ansiedlung von bestimmten Arten, wie z. B. Rebhuhn und Hänfling, geführt haben.

Untersuchungen sowohl zum Kollisionsrisiko, Meideverhalten bzw. Scheucheffekten sowie Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens: Greifvögel und Windkraftanlagen: Problemanalyse und Lösungsvorschläge, welches vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert wurde, durchgeführt. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier. Der Projektbericht soll voraussichtlich in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Inzwischen besteht vielfach das Problem, dass Anlagen im Wald geplant und errichtet werden. Damit ergeben sich Auswirkungen, insbesondere auf waldbewohnende Arten oder solche, die sich zwischen Nahrungshabitaten außerhalb von Wäldern und innerhalb von Waldgebieten bewegen. Bisher gibt es zu den Auswirkungen neuer, größerer Anlagen im Wald auf die waldbewohnenden Arten kaum Kenntnisse. Aufgrund dessen werden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Bundesamt für Naturschutz eine Reihe von Forschungsprojekten gefördert, die sich mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen. Eine Übersicht zu den laufenden Forschungsprojekten finden Sie hier.

Downloads & Quellen

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) (2012): Auerhuhn und Windenergienutzung im Schwarzwald. (Vortrag)
FVA_2012_Auerhuhn_Windenergie3,57 MBDownload
Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) & Birdlife International (2013): Wind Farms and Birds: An updated analysis of the effects of wind farms on birds, and best pracitce guidance on integrated planning and impact assessment. Bern Convention Bureau Meeting 17 September 2013.
RSPB Birdlife 2013 Windfarm Birds1,55 MBDownload
Übersicht zu windenergiesensiblen Vogelarten in Deutschland (Stand 2014).
Liste Vogelarten Deutschland 201443,86 KBDownload