Holz

Kurzumtriebsplantagen

Die Umsetzung der energiepolitischen Ziele erzeugt eine verstärkte Nachfrage nach Energieholz. Einen Beitrag dazu können Kurzumtriebsplantagen (KUP) leisten. KUP bestehen aus schnellwachsenden und ausschlagfähigen Baumarten und werden in der Regel in mehrjährigen Zyklen von 2 - 5 Jahren (max. nach 20 Jahren, siehe dazu § 2 Bundeswaldgesetz (BWaldG)) geerntet.

Der Anbau von KUP ist im Vergleich zu konventionellen, annuellen Ackerkulturen mit geringeren negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft verbunden. So profitiert die Tier- und Pflanzenwelt auf einer Energieholzfläche gegenüber den Anbauflächen von Mais und Raps von der längeren Bodenruhe, dem geringeren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie den geringeren Störungen. Eine standortangepasste und extensive Etablierung und Bewirtschaftung von KUP kann daher durchaus zu Synergieeffekten zwischen Naturschutz und Bioenergieerzeugung führen. In ausgeräumten Landschaften kann die Anlage von KUP-Flächen zu einer Strukturierung der Landschaft beitragen.

Mit der Anlage von KUP sind jedoch auch Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu erwarten, insbesondere dann, wenn sie als großflächige Monokulturen angebaut werden. Sie tragen auf diese Weise zu einer Homogenisierung und Monotonisierung der Landschaft bei. Naturschutzfachlich wichtige Gebiete, wie z. B. Feuchtwiesen, Fluss- und Bachauen, Brachflächen sowie Offenlandgebiete mit Wiesenbrüter- und Rastvogelvorkommen müssen deshalb von einem Energieholzanbau freigehalten werden. Um potenzielle Konflikte mit dem Natur- und Umweltschutz zu verringern oder zu vermeiden, sind daher fachliche Rahmenbedingungen und Mindeststandards für eine naturverträgliche Anlage von KUP erforderlich, die im Ordnungs- und Förderrecht berücksichtigt werden müssen. Anforderungen an eine naturverträgliche Gestaltung von KUP wurden vom Bundesamt für Naturschutz und Umweltverbänden (BfN 2010, NABU 2008, BUND 2010) veröffentlicht. Diese werden nachfolgend in Tabelle 1 kurz skizziert.

Aus Naturschutzsicht sind folgende Flächen besonders für KUP geeignet:Aus Naturschutzsicht sind folgende Flächen nicht für KUP geeignet:
ausgeräumte Ackerbauregionen sowie erosionsgefährdete Flächen (Schutz vor Wind- und Wassererosion durch kleinteilige Strukturierung der Landschaft)Gebiete mit sensiblem Grundwasserstand können durch KUP mit ihrem hohen Wasserbedarf beeinträchtigt werden
stark vorbelastete Flächen wie bspw. Deponien oder ehemalige Rohstoffabbauflächenalle Grünlandstandorte. Die Anlage von KUP auf Grünland insbesondere auf Grünlandstandorten mit hoher naturschutzfachlicher Bedeutung führt (mit oder ohne Umbruch des Grünlands) zur Zerstörung wertvoller Lebensräume und beeinträchtigt die biologische Vielfalt.
in Wasserschutzgebieten können KUP langfristig zur Verbesserung der Qualität des neugebildeten Grundwassers durch Nährstoffbindung führenabhängig vom Schutzzweck bzw. den Erhaltungs- und Entwicklungszielen stellt die Neuanlage von KUP in Schutzgebieten (z.B. Naturschutzgebiete, Natura-2000-Gebiete) in der Regel einen Eingriff in Natur und Landschaft dar
in Hochwasserentstehungsgebieten können KUP durch ihr Rückhaltevermögen das Abflussverhalten veränderndas Erhaltungsgebot für gesetzlich geschützte Biotope ist mit der Neuanlage von KUP nicht vereinbar.

Tabelle 1: Anforderungen an eine naturverträgliche Gestaltung von KUP

In einem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Forschungsprojekt (F+E-Vorhaben "Naturverträgliche Anlage und Bewirtschaftungsmaßnahmen von Kurzumtriebsplantagen (KUP)"), welches vom NABU Bundesverband in Kooperation mit der Bosch & Partner GmbH bearbeitet wird, werden konkrete Wege zur Berücksichtigung von Naturschutzbelangen bei der Standortwahl, der Anlage und dem Betrieb von KUP erarbeitet werden. Mehr zum Projekt finden Sie hier. Ziel der Untersuchungen ist die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs, der landwirtschaftlichen Beratern, Naturschutzbehörden und interessierten Landwirten als Handlungsempfehlung für eine naturverträglichere Ausrichtung dient. Veröffentlicht sind bereits die Ergebnisse der Vorstudie und die Ergebnisse eines Fachgesprächs zu KUP auf Grünland.

Downloads & Quellen

NABU-Bundesverband (2014): Ergebnispapier zum Fachgespräch "Kurzumtriebsplantagen (KUP) auf Grünland - eine naturschutzfachliche Beurteilung".
NABU 2014 Ergebnispapier Fachgespraech KUP110,66 KBDownload
NABU-Bundesverband & Bosch & Partner GmbH (2014): Naturverträgliche Standortwahl, Anlage und Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantage (KUP). Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.
NABU 2014 Flyer KUP-Projekt1,55 MBDownload
NABU-Bundesverband & Bosch & Partner GmbH (2012): Praktische Umsetzung von Maßnahmen bei der Neuanlage und Bewirtschaftung von Energieholzflächen (Voruntersuchung).
NABU 2012 Abschlussbericht Vorstudie3,45 MBDownload
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) (2010): Kurzumtriebsplantagen für die Energieholzgewinnung. Chancen und Risiken. Positionen 55.
BUND_2010_KUP308,71 KBDownload
Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2010): Positionspapier - Bioenergie und Naturschutz: Synergien fördern, Risiken vermeiden.
BfN_2010_Position_Bioenergie_Naturschutz2,6 MBDownload
Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2008): Energieholzproduktion in der Landwirtschaft, Energieholzstudie. Chancen und Risiken aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes.
NABU 2008 Energieholzstudie999,67 KBDownload