Biogas

Biogas vom Acker – begrenzte Steuerungsmöglichkeiten durch das EEG

Abb. 1: Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland für die Jahre 2012/2013 (in ha)

Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen zu energetischen Zwecken stellt eine Alternative zu fossilen Energieträgern dar und hat sich zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig im ländlichen Raum entwickelt. Für die Landwirtschaft sind dadurch neue Einkommensmöglichkeiten entstanden. Für den Umwelt- und Naturschutz birgt die Produktion jedoch zunehmende Risiken. Denn die rasante Ausdehnung der Bioenergie beeinträchtigt die Bemühungen beim Erhalt der biologischen Vielfalt und kann neue Freisetzungen von klimaschädlichen Treibhausgasen bewirken.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt als ein Schlüsselinstrument für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Mit Hilfe der EEG-Förderung ist es gelungen, innerhalb von nur zehn Jahren den Anteil erneuerbarer Energien am Strommarkt bis 2010 auf rund 17% zu verdreifachen. Zugleich bietet das Gesetz wichtige Innovationsanreize und Steuerungsinstrumente für die weitere Entwicklung der erneuerbaren Energien.

Im Hinblick auf einen natur- und umweltverträglichen Anbau und die Nutzung von Biomasse hat die Steuerungswirkung des EEG nicht funktioniert. Der massive Anbau von Mais zur Verwertung in Biogasanlagen hat zu drastischen Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den Naturhaushalt geführt und gilt als einer der Haupttreiber für den großflächigen Umbruch von Grünland.

Daher werden die Entwicklungen im Bereich der Biomasse von einer immer größeren Zahl unterschiedlicher Akteure äußerst kritisch gesehen. Egal ob Jäger, Tourismusverbände, landwirtschaftliche Veredlungs- und Futterbaubetriebe, Wasserwirtschaftsverbände oder Naturschützer - sie alle eint die Feststellung, dass das EEG-Vergütungssystem teilweise enorme Fehlsteuerungen und Flächenkonkurrenzen ausgelöst hat. So stieg die Anbaufläche für Energiemais innerhalb von acht Jahren von 70.000 ha in 2005 auf knapp 900.000 ha in 2012 an, bei einer Gesamtfläche für den Energiepflanzenanbau von 2,14 Mio. ha (2012) in Deutschland (siehe dazu Internetseite der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) und Abb. 1).

Der ursprünglich gute Ansatz für den Einsatz von Biomasse zur Energieerzeugung sah die Verwertung von Gülle aus der Tierhaltung und von Reststoffen aus der landwirtschaftlichen Nutzung vor. Mit der Einführung des Bonus für nachwachsende Rohstoffe im EEG 2004 fand eine Schwerpunktverschiebung hin zu Anbaukulturen wie Mais und Getreide statt, die massive Konflikte mit dem Naturschutz ausgelöst hat. Denn während bei der Nahrungsmittelproduktion automatisch verschiedene Feldfrüchte nachgefragt werden, so dass sich eine gewisse Vielfalt der Kulturen ergibt, konzentriert sich die Biogaserzeugung seither eindeutig auf den besonders ertragreichen Mais.

Ein rasches politisches Engagement zur Verbesserung der Situation ist daher dringend notwendig. Neben einer grundlegenden Neuausrichtung der EEG-Vergütung sind vor allem Lösungen für den Umgang mit den Bestandsanlagen zu suchen. Für diese muss eine Diversifizierung der Einsatzstoffe und eine Flexibilisierung bei der Erzeugung und Einspeisung des erzeugten Stroms erreicht werden.

Ziel muss sein, die Förderung auf besonders natur- und umweltverträglich erzeugte Anbaubiomasse wie Mischkulturen oder Blühmischungen zu beschränken und zugleich Gülle, Reststoffe und Bioabfälle stärker zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck ist die bisherige Einsatzstoff-Vergütungsklasse I ersatzlos zu streichen.

Darüber hinaus ist ein Paradigmenwechsel hinsichtlich der künftigen Rolle der Biomasse im erneuerbaren Strommix notwendig: Bisher produzieren die vorhandenen Biomassekraftwerke und Biogasanlagen rund um die Uhr Strom für die Grundlast, häufig genug ohne sinnvolle Nutzung der anfallenden Wärme. In Zukunft kann es nicht mehr darum gehen, so viel Biomasse wie möglich zu verstromen, weil die Rohstoffe dafür zu wertvoll sind und sich bereits jetzt zahlreiche Nutzungskonkurrenzen abzeichnen. Stattdessen müssen die Vorteile dieses Energieträgers besser ausgenutzt werden, um eine bedarfsgerechte Einspeisung für Spitzenlastzeiten und die Bereitstellung von Regel- und Ausgleichsenergie sicherzustellen, ohne dass dafür insgesamt wesentlich mehr Biomasse als heute verbraucht werden muss.

Eine zeitlich begrenzte Stromeinspeisung auf die Zeiten, an denen Wind- und Solarenergie nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen oder die Nachfrage und damit der Strompreis besonders hoch sind, führt zu einem ökonomisch wie ökologisch sinnvolleren Einsatz der Biomasse im Stromsektor. Dazu müssen entsprechende Lagerkapazitäten für die Rohstoffe, Biogasspeicher und zusätzliche Motorkapazitäten ggf. auch an bestehenden Standorten geschaffen werden.