Kraftstoffe

EU-Biokraftstoffpolitik – auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie und die EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie fördern die Nutzung von Biokraftstoffen in der EU. Nach dem Fahrplan für erneuerbare Energien der EU soll der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr bis 2020 mindestens zehn Prozent betragen.

Jedem Mitgliedsland ist es freigestellt, wie dieser Anteil erreicht wird, z. B. mit Ethanol, Biodiesel, Biogas oder auch erneuerbarem Strom für Elektroautos. In Deutschland lag der Biokraftstoffanteil am Gesamtverbrauch im Verkehrssektor 2012 bei 5,7 Prozent (siehe Abb. 1). Mit der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung sollen Antworten auf die Umsetzung der nationalen Ziele im Verkehrssektor gefunden werden.

Biokraftstoffe stehen jedoch in der Kritik, denn ihre Herstellung und Nutzung ist mit Auswirkungen für Umwelt und Natur verbunden. Dabei werden immer wieder die direkten und indirekten Flächennutzungsänderungen und ihre Folgen hervorgehoben, wie beispielsweise die zunehmende Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. So werden für die Palmölproduktion in großem Umfang Tropenwälder gerodet, wodurch Gebiete mit hoher Biodiversität verloren gehen und große Mengen Treibhausgase freigesetzt werden.

Im Oktober 2012 hat die EU-Kommission auf die anhaltende Kritik reagiert und einen Richtlinienvorschlag veröffentlicht, der die negativen Auswirkungen der Biokraftstoffe minimieren soll. Dieser enthält folgende Vorschläge:

  • Bis 2020 sollen konventionelle Biotreibstoffe aus Nahrungspflanzen nur noch fünf statt bislang zehn Prozent des Kraftstoffverbrauchs im Verkehrssektor ausmachen.
  • Ab 2020 sollen zwei Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr aus Biokraftstoffen der zweiten Generation kommen (z. B. Treibstoffe, die aus ganzen Pflanzen oder Abfällen in der Land- und Forstwirtschaft gewonnen werden). Der Beitrag von Biokraftstoffen der zweiten und dritten Generation soll doppelt oder sogar vierfach angerechnet werden.
  • Ab Juli 2014 müssen Biokraftstoffe aus neuen Anlagen im Vergleich zu fossilen Energien mindestens 60 Prozent CO2 einsparen.
  • Die Auswirkungen indirekter Landnutzungsänderungen (ILUC = Indirect Land Use Change) sollen in den Nachhaltigkeitskriterien der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie und ab 2020 in der Kraftstoffqualitätsrichtlinie berücksichtigt werden. Dabei müssen Biokraftstoffproduzenten über ILUC Bericht erstatten - können aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Indirekte Landnutzungsänderungen entstehen, wenn Agrarflächen für den Anbau von Energiepflanzen für Treibstoffe genutzt werden, die zuvor der Nahrungsmittelproduktion dienten und in der Folge für den Anbau von Nahrungspflanzen auf andere Flächen ausgewichen werden muss. Dies hat in großen Umfang zur Zerstörung von Wäldern, Mooren und anderen kohlenstoffreichen Ökosystemen geführt und große Mengen Treibhausgase freigesetzt. EU-weit werden bis 2020 so voraussichtlich 550 bis 830 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Die zunehmenden Landnutzungskonkurrenzen führen zu steigenden Preisen und verschärfen die Konflikte zwischen Agrarindustrie, Kleinbauern und der indigenen Bevölkerung.

Die Begrenzung des Anteils von Treibstoffen aus Nahrungspflanzen auf 5,5 bis 6 Prozent am herkömmlichen Treibstoff in der EU, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn der Anteil von Biokraftstoffen an Kraftstoffen in der EU insgesamt lag bei 4,7 Prozent im Jahr 2011 (siehe EC 2013). Um den Biospritbedarf der EU im Jahr 2020 zu decken, würde eine Anbaufläche von 22 bis 31,5 Millionen Hektar benötigt, was etwa 88 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands entspricht.

Biomasse kann daher effizienter in der Wärme- und Stromerzeugung als im Verkehr eingesetzt werden. Um den Verkehrssektor insgesamt nachhaltiger zu gestalten, sollten Effizienz, der öffentliche Verkehr (z. B. Bus und Bahn) und andere Nutzungsformen erneuerbarer Energien wie Ökostrom und Elektroantriebe verbessert werden. Eine Studie des niederländischen Forschungsinstituts CE Delft im Auftrag mehrerer Umweltorganisationen, wie dem NABU-Dachverband, BirdLife International, Greenpeace und Transport & Environment zeigt, dass es dazu vor allem einer stärkeren Nutzung von biogenen Rest - und Abfallstoffen zur Biokraftstofferzeugung sowie einer Effizienzsteigerung bei Pkw und Lkw bedarf (Kampman et al. 2012).

Downloads & Quellen

Europäische Kommission (EK) (2007): Fahrplan für erneuerbare Energien - Erneuerbare Energien im 21. Jahrhundert: Größere Nachhaltigkeit in der Zukunft.
EK_2007_Fahrplan_eE128,52 KBDownload
Richtlinie 2009/28/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2009 zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen und zur Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinien 2001/77/EG und 2003/30/EG.
EU_RL_2009_erneuerbare_Energien1,3 MBDownload
Richtlinie 2009/30/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2009 zur Änderung der Richtlinie 98/70/EG im Hinblick auf die Spezifikationen für Otto-, Diesel- und Gasölkraftstoffe und die Einführung eines Systems zur Überwachung und Verringerung der Treibhausgasemissionen sowie zur Änderung der Richtlinie 1999/32/EG des Rates im Hinblick auf die Spezifikationen für von Binnenschiffen gebrauchte Kraftstoffe und zur Aufhebung der Richtlinie 93/12/EWG.
EU_RL_2009_Kraftstoffqualitaet1,1 MBDownload
Europäische Kommission (EK) (2012): Vorschlag für eine Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 98/70/EG über die Qualität von Otto- und Dieselkraftstoffen und zur Änderung der Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren.
EK_2012_Vorschlag_Kraftstoffquote114,51 KBDownload
B. Kampman, A. van Grinsven & H. Croezen (2012): Sustainable alternatives for land-based biofuels in the European Union: Assessment of options and development of a policy strategy.
Kampman_2012_Biokraftstoffstudie1,3 MBDownload
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (2013): Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung (MKS): Energie auf neuen Wegen.
BMVBS_2013_Mobilitaet_Kraftstoffstrategie611,09 KBDownload
European Commission (EC) (2013): EU energy in figures. Statistical Pocketbook.
EC_2013_EU_energy_figures7,15 MBDownload