Holz

Holz als Energieträger

Mit Biomasse lassen sich Strom, Wärme und Kraftstoffe bedarfsgerecht erzeugen. Mit biogenen Abfall- oder Reststoffen kann aber nur ein Teil der steigenden Nachfrage abgedeckt werden. Holz stand dabei lange Zeit vor allem für die stoffliche Nutzung zur Verfügung. Im Jahr 2010 wurden aber bereits mehr als 50 Prozent des deutschen Holzverbrauchs ausschließlich zum Zweck der Energie- und Wärmeerzeugung verbrannt.

Neben der zunehmenden Wärmeerzeugung mit Einzelöfen in Privathaushalten, ist vor allem eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach Holzbiomasse durch gewerbliche oder industrielle Produzenten zu verzeichnen. Zahlreiche leistungsstarke Biomasse-Heizkraftwerke wurden in der Vergangenheit aufgrund der garantierten Vergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) errichtet. Die dadurch stark gewachsene Nachfrage wird zunehmend aus Waldholz gedeckt. Gleichzeitig steigt auch der Holzbedarf für die stoffliche Nutzung. Im Kraftstoffsektor spielt Holz dagegen noch keine Rolle, weil das relevante Verfahren "Biomass to Liquid" (BtL) bisher nicht großtechnisch einsetzbar ist.

Langfristig tragfähige Nutzungs- und Verteilungsstrategien für die Waldbiomasse sind erforderlich, um den Anforderungen des Naturschutzes, einer effizienten Holzressourcenverwendung genauso wie dem Klimaschutz gerecht zu werden. Aus Naturschutzsicht gilt der naturnahe Dauerwald als Leitbild, der auf flächenhafte Verteilung von Altbaumstrukturen, ausreichende Totholzanteile und die vorwiegende Erzeugung von heimischen Werthölzern setzt. Deshalb dürfen die Belange der Holzverwertung nicht die Waldstruktur vorgeben, das heißt strukturarme Energiewälder oder konventionelle Holzplantagen nach sich ziehen. Um dem Nährstoffaustrag vorzubeugen, ist die vollständige Nutzung von Bäumen (Vollbaumnutzung) nicht zu befürworten. Die Entstehung und der Erhalt von wertvollen Biotopholzstrukturen auf der gesamten Waldfläche muss gewährleistet werden. Daneben müssen zeitgemäße Modelle der Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung und eine gute fachliche Praxis zur Standortwahl sowie zu landschaftsökologischen Kriterien für Kurzumtriebsplantagen (KUP) entwickelt werden (siehe dazu Artikel zu KUP).

Die große Abhängigkeit der erneuerbaren Wärmeerzeugung vom Rohstoff Holz muss schrittweise verringert werden, verbunden mit einer Reduzierung der Verbräuche. Neben der Steigerung der Energieeffizienz und Senkung des Energieverbrauchs durch verändertes Nutzerverhalten, moderne Gebäudetechnik, Kraft-Wärme-Kopplung und umfassende Modernisierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle, geht es um eine Diversifizierung der Wärmequellen hin zu Solar, Geothermie und allen wirtschaftlich nutzbaren Formen von Abwärme. Als notwendige Ergänzung zu den politischen Zielsetzungen im Bereich der Bioenergie werden zur Optimierung von Ressourcen- und Materialeffizienz strategische Ansätze zum Einsatz von Biomasse benötigt: In Form von intelligenten Nutzungskaskaden sollten einer stofflichen Verwertung möglichst die Wiederverwendung und ein Recycling zwischengeschaltet sowie mit einer energetischen Nutzung verbunden werden. Die ökonomisch sinnvolle Allokation von Holz für verschiedene Nutzungspfade sollte dabei grundsätzlich an die Erreichung möglichst hoher Treibhausgas-Einsparpotenziale und Wirkungsgrade gekoppelt werden.