Biogas

Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf Natur und Landschaft – die Grenzen des Wachstums sind erreicht

Um Biogas zu erzeugen, können neben Energiepflanzen auch Gülle und Reststoffe aus der Landwirtschaft sowie Bioabfälle als Einsatzstoffe genutzt werden (Abb. 1). Zwar kann die Biomasse bedarfsgerecht und intelligent eingesetzt werden, jedoch ist die pro Flächeneinheit erzeugte Energie aus Energiepflanzen zehn bis zwanzig Mal geringer als bei Photovoltaik- und Windenergieanlagen. Zudem hat sich gezeigt, dass die Flächenpotenziale zur nachhaltigen Erzeugung von Biomasse begrenzt sind, da u. a. Nutzungskonkurrenzen bestehen. Denn die Erzeugung von Energiepflanzen steht in direkter Nutzungskonkurrenz zu anderen Raumnutzungen, wie z. B. der Nahrungsmittelproduktion oder dem Naturschutz und der Landschaftspflege. Bisher ist eine räumliche Steuerung von Biogasanlagen und des Energiepflanzenanbaus weder auf regionaler noch auf kommunaler Ebene möglich. 

In Regionen mit vielen Biogasanlagen konzentriert sich der Anbau von Energiepflanzen in Form von Monokulturen, vor allem Mais. Aktuell wird aus Mais immer noch der höchste Flächen- und Biogasertrag gewonnen. Untersuchungen des Interdisziplinären Zentrums für nachhaltige Entwicklung (IZNE) Göttingen zeigen jedoch, dass eine naturschutzfachliche Optimierung des Energiepflanzenanbaus unter Berücksichtigung ökonomischer Aspekte möglich ist (siehe Vortrag von PD Dr. M. Karpenstein-Machan und Verbundprojekt).

Mit der Ausweitung des Energiepflanzenanbaus haben die negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft in den letzten Jahren deutlich zugenommen (siehe Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. 2009 und Verbundprojekt EVA). Zu nennen sind:

  • Verengung der Fruchtfolgen, die einen Rückgang der Artenvielfalt bewirkt,
  • Vorgezogene Erntetermine, die einen hohen Verlust bei Bodenbrütern wie Feldlerche und eine ungenügende Aussamung von Ackerwildkräutern bewirken,
  • Grünlandumbruch, insbesondere von vorher extensiv bewirtschaftetem Grünland (z. B. Auen- und Feuchtgrünland) mit negativen Folgen für Treibhausgasemissionen (z. B. Lachgas) sowie Landschafts- und Artenvielfalt.
  • Gewässerbelastung durch die hohen Düngemittelgaben beim Maisanbau und die höhere Erosionsanfälligkeit verbunden mit erheblichen Nährstoffbelastungen von Grundwasser und Oberflächengewässer,
  • Gewässerbelastung durch Pestizide (z. B. Glyphosat, siehe NABU 2014)
  • Intensivierung der Grünlandnutzung, die zu einem Verlust der traditionellen artenreichen Wiesen führt, denn nährstoffreiches Intensivgrünland wird bevorzugt in der Biogasproduktion eingesetzt,
  • Die Veränderung des Landschaftsbildes durch die Vereinheitlichung der Fruchtfolgen, vor allem in Regionen der norddeutschen Tiefebene und
  • Keine CO2-Neutralität, denn Energie- und Materialeinsatz bei der Erzeugung, dem Transport und der Weiterverarbeitung der Biomasse müssen zusätzlich berücksichtigt werden, so dass von einer CO2-Neutralität nicht gesprochen werden kann.

Insgesamt nehmen damit die Landschafts- und Artenvielfalt in den Agrarlandschaften ab. Betroffen sind vor allem Vögel, die auf Ackerflächen brüten oder nach Nahrung suchen sowie Vogelarten, die auf das Vorhandensein von z. B. Gehölzen und blütenreiche Ackerrandwegstreifen angewiesen sind. Der Gewinn für den Klimaschutz wird nicht ersichtlich. Aufgrund dessen sind Projekte, die sich mit dem Einsatz von Wildpflanzen befassen, um so wichtiger (siehe Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau et al. 2011).

Darüber hinaus gibt es seit 2013 das Biogas Label der Umweltverbände, das so genannte "Grünes Gas-Label". Das Label ist ein Siegel für Biogas, das aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, ökologisch verträglich erzeugt und in regionalen Wirtschaftsstrukturen hergestellt wird. Zu den verwendeten Einsatzstoffen zählen auch Gülle und biogene Reststoffe. Um die ökologische Verträglichkeit zu gewährleisten, dürfen bei der Erzeugung der nachwachsenden Rohstoffe z. B. keine Gentechnik verwendet und keine Monokulturen angebaut werden. Weitere Informationen zu den ökologischen und Nachhaltigkeitskriterien finden Sie hier.

Downloads & Quellen

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Deutsche Wildtier Stiftung (DeWiSt), Internationaler Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC), Saaten Zeller and Bayerischer Jagdverband (BJV) (2011): Energetische Verwertung von kräuterreichen Ansaaten in der Agrarlandschaft und im Siedlungsbereich - eine ökologische und wirtschaftliche Alternative bei der Biogasproduktion. Projektbericht - hier zum Runterladen)

Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2010): Positionspapier - Bioenergie und Naturschutz: Synergien fördern, Risiken vermeiden.
BfN_2010_Position_Bioenergie_Naturschutz2,6 MBDownload
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. (2009): Entwicklung und Vergleich von optimierten Anbausystemen für die landwirtschaftliche Produktion von Energiepflanzen unter den verschiedenen Standortbedingungen Deutschland (EVA), Teilprojekt II: Ökologische Folgewirkungen des Energiepflanzenanbaus.
ZALF_2009_EVA_oekolog_Auswirkungen2,16 MBDownload
Grünes Gas-Label: Kriterienkatalog 2012.
Gruenes Gas Kriterienkatalog 2012275,38 KBDownload
PD Dr. M. Karpenstein-Machan (2013): Wie wirkt sich nachhaltiger Energiepflanzenanbau auf die Ökonomie aus? Tagung "Energie, Ernährung und Gesellschaft", 15.-17. Oktober 2013 an der Universität Göttingen.
Karpenstein_2013_nachhaltiger_Energiepflanzenanbau338,7 KBDownload
Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2014): Umweltrisiko Glyphosat: Untersuchung der Pestizidbelastung durch den Anbau von Silomais in drei Landkreisen in Brandenburg.
NABU_2014_Glyphosatstudie1001,2 KBDownload