Naturverträgliche Energiewende

Wenn die Energiewende konsequent fortgesetzt wird, verdrängen insbesondere Windenergie und Photovoltaik zunehmend Strom aus nuklear oder fossil befeuerten Großkraftwerken und sichern so das Erreichen unserer Klimaschutzziele. Wichtig ist dabei nicht nur, dass alle Energiesektoren, d. h. nicht nur der Stromsektor, sondern auch der Wärme- und Verkehrssektor und darüber hinaus die Ziele zu Energieeffizienz und –einsparung berücksichtigt werden. Gleichzeitig wird schon jetzt bei einem Anteil von nur rund 12 Prozent am Endenergieverbrauch in Deutschland deutlich sichtbar, dass sich die erneuerbaren Energien als neue Landnutzung großflächig in Deutschland etabliert haben. Deshalb brauchen wir auch einen scharfen Blick für mögliche Konflikte, die sich aus Sicht des Natur- und Artenschutzes stellen.

Auswirkungen der Energiewende auf Natur und Landschaft

Der bisherige Erfolg der Energiewende bezieht sich daher vor allem auf das schnelle quantitative Anwachsen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien innerhalb weniger Jahre auf rund 20 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs bis 2011. In den nächsten neun Jahren wird mit einer weiteren Verdopplung dieses Anteils gerechnet, vor allem bedingt durch den weiteren Ausbau der Windenergie. Aber auch die Photovoltaik und die Biomassenutzung haben in den vergangenen Jahren in bestimmten Regionen massiv zugelegt. Parallel dazu muss die Anpassung und Erweiterung der Stromnetze und Entwicklung neuer Speichermöglichkeiten vorangetrieben werden, damit Erzeugung und Verbrauch trotz schwankender Einspeisung von Solar- und Windstrom auch künftig noch in Einklang zu bringen sind. Erstmalig wird damit nicht mehr nur an den windstarken Standorten an der Küste und im Osten Deutschlands über die Auswirkungen dieser zunehmend dezentralen Energieerzeugung auf Natur und Landschaft gestritten, sondern auch in bisher weniger betroffenen Regionen im Binnenland und in den südwestlichen Bundesländern. Viele Akteure des Umwelt- und Naturschutzes machen sich Sorgen, dass die Summe der damit verbundenen Auswirkungen die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland zusätzlich gefährden könnte. In einem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Forschungsvorhaben werden deshalb die kumulativen Wirkungen, die sich aus dem Ausbau erneuerbarer energien ergeben untersucht (siehe Internetseite des ZALF).

Akzeptanz schaffen!

Durch die Vielzahl der Einzelbaustellen bei der Umsetzung der Energiewende verfestigt sich insbesondere bei den ehrenamtlichen Naturschützern vor Ort der Eindruck, dass ihr langjähriges Engagement, ihre Arbeit und ihre Werte bedroht werden. Politiker und Investoren stellen öffentlich Errungenschaften und Erfolge des Naturschutzes in Frage – sei es die Ausweisung von Schutzgebieten, die Klagerechte von Umweltverbänden oder den Sinn und Zweck von Artenschutzaktivitäten. Aber auch emotionale Faktoren, wie die Wertschätzung von Kultur- und Naturlandschaften, die noch nicht durch technische Bauwerke überformt sind, werden ignoriert. Sie behindern angeblich die Umsetzung der Energiewende, gefährden die Planungs- und Versorgungssicherheit. Statt Naturschutzbelange zu würdigen und geltendes Recht zu berücksichtigen, sollen erfolgreiche Instrumente wie die Eingriffsregelung oder die Natura 2000-Richtlinien der EU ausgehebelt oder unterlaufen werden. Das wäre fatal, denn sorgfältige Planung und frühzeitige Bürgerbeteiligung werden für die Akzeptanz der Energiewende entscheidend sein.

Lernen und Lösungen finden

Wenn aber die erneuerbaren Energien in Zukunft unsere Landschaft noch in größerem Maße als heute prägen werden, müssen wir uns sorgfältig mit ihren Effekten für die biologische Vielfalt auseinandersetzen, Lösungen finden und vor allem im Bereich der Energieeinsparung und -effizienz vorankommen. Denn eine naturverträgliche Energiewende wird nur gelingen, wenn wir weniger Energie verbrauchen und somit auch einen geringeren Ausbau erneuerbarer Energien, der Netze und Speicher benötigen, womit auch die Auswirkungen auf Natur und Landschaft in Grenzen gehalten werden können.

Downloads & Quellen

Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) (2012): Planlos in die Energiewende? Wie gehen wir mit den Auswirkungen auf Natur und Landschaft um? - Ein Diskussionsbeitrag.
NABU_2012_Planlos_Energiewende111,78 KBDownload
B. Demuth, S. Heiland, N. Wiersbinski & K. Ammermann (Hrsg.) (2013): Energielandschaften - Kulturlandschaften der Zukunft?: Energiewende Fluch oder Segen für unsere Landschaften? BfN-Skripten 337.
Demuth_2013_Energielandschaften4,91 MBDownload
W. Peters & S. Dijks (2013): Vernetzung der Forschung zu den Auswirkungen von erneuerbaren Energien auf Natur und Landschaft im Hinblick auf den EEG-Erfahrungsbericht.
Peters_2013_Vernetzung_Forschung_eE_NaSch372,89 KBDownload